Der Prozess der inflationären Bildentwertung hat unsere Welt nicht erst seit der massenhaften Verbreitung von Digitalkameras ergriffen, wenngleich wohl seit diesem Zeitpunkt mit zunehmender Geschwindigkeit. Die meisten privaten Fotos schaffen nicht einmal mehr den Weg auf Papier, sondern fristen ein trostloses Dasein in Onlinegalerien, in denen sie wie
Datenmüll vor sich hin verrotten. Millionen von digitale Fotoalben in Online-communitys, die doch nicht ein einziges mal (ernsthaft interessiert) betrachtet werden, zeigen deutlich, dass die Faszination des Bildes in der heutigen Welt passe ist. Woran liegt das? Am Betrachter, der durch die Flut von Bildern einfach nicht mehr aufnahmebereit ist? Oder vielleicht doch am Fotografen?
Bewusst zu fotografieren, die tiefere Beschäftigung mit dem Motiv, der Perspektive und der Bildwirkung könnte ein Ausweg sein. Dabei geht es nicht um utopische Weltverbesserung, nicht um die Wiederherstellung der “guten, alten Zeiten”, sondern um die Erweiterung der persönlichen Fähigkeiten, das Üben von Geduld, zu einem gewissen Teil auch Disziplin durch die Beschränkung auf den Basiswortschatz der Fotografie. Daher auch die namensgebende Forderung, die Losung oder das Dogma des Projekts:
Zu Beginn wählt jeder Teilnehmer eine Brennweite, mit der er sämtliche Fotos in der Zeit des Projekts macht. Diese beträgt (mehr oder weniger) zwei Stunden. In dieser Zeit dürfen maximal drei Bilder gemacht werden.
Jede inhaltsverändernde Nachbearbeitung ist untersagt, allein grundsätzliche Bildoptimierung wie das Ändern der Graduationskurve oder Kontrast- und Sättigungsangleichungen sind erlaubt. Nur komplette s/w-Umwandlungen werden akzeptiert.
Bei einem zweiten Treffen darf jeder der Teilnehmer eines der drei von ihm gemachten Bilder als Ausbelichtung zur Wahl stellen. Der Gewinner bekommt einen feuchten Händedruck und die Anerkennung aller anderen für sein Werk.
Mehr Informationen für Interessierte wie immer im Forum.



Die hier gezeigten Bilder stammen aus der neuesten 1,2,3-Session, deren Schauplatz diesmal das Kino Graffiti in Altdorf war. (von oben: Simon Reuter, Daniel Bald, Felix Röser, Wolfgang Völkl, Boris Ackermann)