“Welches Monster derzeit im cutting room der AdbK Nürnberg aus den Fetzen unzähliger sommernachtsträumiger Drehtage zum Leben erweckt wird, wissen selbst der Regisseur Boris Ackermann und sein Schnittmeister Max Geyer nicht immer ganz genau. Zu verwirrend sind die virtuellen Klebestellen geworden, zu kurz die Zigarettenpausen und zu schlecht das Bier, das sie ab Mittag täglich in sich hineingeschüttet haben. Nur eins wissen sie: Es wird gut!”

So schrieben wir im Herbst 2008 auf unsere Homepage, etwa zwei Monate vor der Premiere des Stummfilms “Blindsteg”. Das Monster wurde zum Leben erweckt, und siehe da – es ward gut!

Das Drehbuch zum Stummfilm basiert auf einem etwa 45 Minuten langen elektronischen Musikstück von Musikgenie und Meister des “Warum kackt der Lautsprecher so ab?”-Effekts Daniel Bald. Dieser Track, der jeder Beschreibung spottet, war ursprünglich als Teil eines anderen Musikprojektes geplant und entstanden, als der Autor Boris Ackermann ihn zum ersten Mal zu hören bekam. Sofort stellte sich bei ihm die Bildassoziation eines “von Weltschmerz gebeutelten Protagonisten” ein, der an einem alten, verlassenen Provinzbahnhof herumirrt. Direkt schlug Ackermann Bald vor, einen Film beziehungsweise eine kurze Filmszene zu der Musik zu schreiben. Der Vorschlag fand Anklang. Gesagt, getan. Nicht ganz.

Die Arbeiten am Drehbuch stellten sich aus verschiedenen Gründen aufwendiger dar, als von Ackermann zuerst angenommen. Schließlich wuchs um den Torso der “Bahnsteigszene” innerhalb eines Jahres eine komplexe, facettenreiche Schilderung eines abgelegenen Dorfes, in dem der junge Sohn eines Bauern auf Grund seiner Leidenschaft zur Musik und seiner Liebschaft aus der Stadt ein isoliertes Dasein fristen muss.

Gedeon (Simon Reuter) will weg aus dem Dorf, frei sein von all den Fesseln dieser eingeschworenen Gemeindschaft, die blind für seine Talente ist, sie verhöhnt und verlacht. Weg von seinem Vater, gespielt von Udo Gerstacker, der viel lieber einen “richtigen” Sohn hätte als ein “nutzloses Anhängel”. Er will mit seiner Freundin Letitia (Mirjam Roth) in die Stadt gehen, an den Ort, wo er glaubt, das erreichen zu können, was ihm in seinem Dorf immer verwehrt geblieben ist: Anerkennung, Förderung und Akzeptanz. So folgt er nach langem Zögern und Ringen mit sich selbst dem Vorschlag Letitias, sich in aller Frühe am Bahnhof zu treffen und aus der unwirklichen Isolation des ländlichen Idylls, was ihm mehr und mehr zum Gefängnis wurde, zu flüchten. Und wie fast immer, wenn Musik und Frauen aufeinandertreffen, geht am Ende etwas schief…

Noch aufreibender als die Arbeiten zum Drehbuch stellten sich die zahllosen Außendrehs bei teils widrigsten Wetterbedingungen dar. Gedreht wurde auch an den entlegendsten Orten, zum Beispiel in der Oberpfalz. Ein Stab von Maskenbildnernnen, Kostümbildnerinnen, Kameramännern, Requisiteusen, Fritteusen, Regnern, Statisten und Schauspielern musste für die Dreharbeiten aufgeboten und nicht bezahlt werden, ganz zu schweigen von einer eigens angemieteten historischen Diesellok samt Zug und Zugpersonal, die innerhalb eines halben Tages geschätzte 15 Mal in den Bahnhof von Behringersmühle einfahren musste (hierfür geht unser besonderer Dank an Dampfbahn Fränkische Schweiz e. V.). Trotz oder auch gerade wegen der immensen Zahl an zu koordinierendem Personal war es möglich, das Mammutprojekt innerhalb von etwa 14 Tagen abzudrehen.

Die ausverkaufte Premiere am Nikolaustag war ein voller Erfolg! Vielen Dank an alle Beteiligten sowie natürlich an unser großartiges Premierenpublikum, sowie an alle, die unserem Film auch bei seiner Teilnahme am Jugendfilmfestival Mittelfranken 2009 die Daumen drückten!

Wer den Artikel zum Film im Boten noch nicht gelesen hat, findet ihn hier wieder.

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Blindsteg

Mirjam Roth (Letitia); Simon Reuter (Gedeon); Udo Gerstacker (Alexander); Hans Kräußel (Bernhard);
Matthias Rötzer (Martin)

Stefanie Berger (Dorfmädl); Herbert Beck, Wilfried Nester, Richard Winter (Kaddlbrüder);
Michael Kuhn, Achim Falkner (Dorfjugend)

Boris Ackermann (Buch&Regie); Daniel Bald (Musik); Wolfgang Völkl (Regieassistenz);
Max Geyer (Kamera & Postproduktion)

Daniel Bald, Christian Macht (Kameraassistenz); Corinna Kratzer, Julia Blackman, Stefanie Berger,
Verena Friedrich (Maske)

Stefanie Berger, Julia Blackman (Kostüm); Stefanie Berger (Requisite)

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