[youtube 4tquwXAo_po]

Über die Grablegung von Mutter Natur,
durch zwei ihr in Trieben untergebene Lebewesen.

Zwei Menschen haben ausgedient und so haben sie sich in Zufälligkeit und in Anbetracht ihres Schicksals getroffen. Sie kamen darin überein, ihr Leben zu legitimieren, indem sie ihr heiligstes, die Mutter Natur, gestorben durch beider Lebenswerke, beisetzen. So begeben sie sich in den dichtesten Wald und dort auf eine Lichtung. Ein würdiger Ort für Mutter Natur. Als Symbol, oder besser gesagt Verstärker zum Begreifen ihrer, dient ihnen ein Götzenbild in vermenschlichter Darstellung von ‘Mutter Natur’. In Demut knien sie nun am Ort des Begräbnisses vor einem provisorisch, aber liebevoll errichteten Altar – genannt ‘Mutteraltar’ – wo die Tote bereits aufgebahrt ist, als eben dieses Bild auf den Steinen. Schweigend, von tiefer Trauer ergriffen und in scheinbarem wortlosen geistigen Einverständnis beginnen sie das Grab auszuheben. Stoisch-ruhig und trauernd. Dennoch fällt ihnen die Arbeit schwer. Die Rollen dabei sind jedoch klar verteilt. So bedient der Schaufelführende den Spaten und der Wegschaffende seine Hände. „Es reicht noch nicht, ich habe Hunger“, spricht plötzlich der Wegschaffende. Wortlos setzt daraufhin der Schaufelführende den Spaten ab, geht um das Grab und kniet sich auf der Rückseite des Altars zum Gebet nieder. Der Wegschaffende begreift dies als O.K. zur Nahrungssuche. Er knöpft sich die Hose auf und legt sich äußerst unbeholfen über das Grab. Nach kurzer Zeit richtet er sich auf und kniet nun beobachtend vor dem benässten Grabloch und murmelt zu sich selbst: „ Bei Nässe kommen die Würmer an die Oberfläche“ Der Schaufelführende harrt noch immer betend hinter dem Altar und scheint von dem Geschehen nichts zu bemerken. Jetzt knien beide gegenüber, beide in gespannter Erwartung, der eine betend, der andere auf die Würmer wartend und in der Mitte das Götzenbild.

Unbemerkt vom eifrig ins Grab lugenden Wegschaffenden steht der Schaufelführende auf und tritt hinter den Zweiten. Mit einem Griff in den Nacken drückt er dem Wegschaffenden den Kopf in das Loch, während er versucht mit dem Aushub diesen zu verscharren. Mit hoher, erregter Stimme bemerkt er dabei: „Keiner ist es Wert! Hiernach bring’ ich mich selbst ihrer dar! Der Wegschaffende, in Atemnotgeratene wehrt sich mit Leibeskräften gegen den Mord und schafft es schließlich der drückenden Hand im Nacken zu entkommen. Beide liegen ringend am Boden. Mit einem mal jedoch tritt Stille ein. Beide bewegen sich nicht mehr und verharren einige Minuten in fester Umklammerung aufeinander. Jetzt beginnt sich der Schaufelführende zu bewegen, in einer Art und Weise, wie man sie anderenorts als Bewegung zum Geschlechtsakt deuten würde. Der Wegschaffende, scheinbar schlafend, ergibt sich diesem Verhalten des Schaufelführenden unterwürfig. Als sich endlich beide voneinander lösen spricht der Wegschaffende: „Die Mama ist bei uns geblieben“ Sofort antwortet der Schaufelführende : „Dann sind wir beide Tot! Sie liegt dar nieder!“ „Wir kennen uns, wir schaffen’s nicht“, ist die Antwort des Wegschaffenden. Nach einer kurzen starrenden Pause meint dann der Schaufelführende: “Schritt für Schritt sehr wohl!“ Viel zu gleichzeitig nehmen beide die Arbeit wieder auf und setzten die Mutter Natur bei, knien vor dem Grab und beten.

Hinterlasse eine Antwort