Der Begriff Melodram hat ursprünglich nichts zu tun mit den Rosamunde-Pilcher-Konnotationen, die sich dem modernen Menschen beim Klang des Wortes aufdrängen. Nein, eigentlich meint der Begriff eine Verbindung aus Melodie und Drama, also eine musikalische Gattung, in der sich gesprochener Text und Instrumentalmusik abwechseln und überlagern.
Das Nihilith-Projekt versucht eine Übertragung dieser im Barock sehr beliebten Gattung in die Postmoderne: das Orchester wird ersetzt durch computergenerierte Sound-Strukturen, der dramatische Text weicht moderner Prosa und Lyrik.
Als Grundlage der vier Musikstücke des Nihilith-Projekts dient jeweils ein Kombinat aus einem Lyrik- und Prosatext, wobei einer der beiden als Vorlage fungierte, der andere von einem anderen Autor spontan entwickelt wurde, woraufhin ein Dritter, der Komponist, beide Texte in Musik zusammenfasste.
Die Texte drücken eine verzweifelte Suche nach sich selbst, ein Fallen in selbiges und ein tiefes Gefühl von Verlassenheit aus. Als Überträger dieser Thematik wurden sowohl konkrete Handlungsabläufe, so wie Reduktion über den puren Sinneseindruck bis zum einsamen, selbstverlassenen und reflektionsfreien Gedanken gewählt. Musikalisch bedienen sich die Komponisten einer ebenso reduktionistischen Vorgehensweise, die nach weitgehender melodischer, rhythmischer und harmonischer Dekonstruktion das Klangereignis an sich in den Vordergrund stellt.
Noch sind letzte Texte in Arbeit, doch bei Fertigstellung wird das Werk vollständig hier zu hören sein.